DSH März 2004

Sprachenzentrum der TU Dortmund —
Lehrgebiet Deutsch als Fremdsprache

Wozu schlafen wir?

Schon lange grübeln einfältige und gescheite Köpfe über zwei eng verwandte Rätsel: Was ist Schlaf und warum brauchen wir ihn?

Die Schlafforschung, die als eigenständiges Fach erst seit knapp einem Jahrhundert existiert, hat inzwischen eine Fülle an Erkenntnissen über den Schlaf zusammengetragen. Sie entdeckte, dass im Schlaf Phasen mit schnellen Bewegungen der Augen (rapid eye movements), so genannte REM-Schlafphasen, auftreten, und zwar beim Menschen ebenso wie bei allen bisher untersuchten Landsäugetieren. Sie wechseln in regelmäßigen Zyklen mit Nicht-REM-Phasen ab, die man etwas vereinfacht auch als Tiefschlaf bezeichnen kann. Während des Tiefschlafs stellen die meisten Nervenzellen im Gehirn ihre Aktivität ein oder reduzieren sie deutlich. Im REM-Schlaf sind sie hingegen genauso aktiv wie im Wachzustand; hier haben wir unsere lebhaftesten Träume.

Doch trotz dieser interessanten Forschungsergebnisse fehlt immer noch eine Antwort auf die Frage: Wozu ist der Schlaf gut? Hinweise auf die Funktion des Schlafs kann ein Vergleich der Schlafgewohnheiten verschiedener Tierarten geben. Es existieren nämlich im Tierreich enorme Unterschiede, was die Schlafmenge betrifft. So kommt beispielsweise ein Elefant mit drei bis vier Stunden Schlaf am Tag aus, während ein Opossum etwa 18 Stunden täglich döst. Dabei lässt sich feststellen, dass die Schlafdauer mit zunehmender Körpergröße zurückgeht. Die Erklärung dafür ist, dass kleinere Tiere einen schnelleren Stoffwechsel als große Tiere haben. Durch den Stoffwechsel werden die Gehirnzellen geschädigt, die sich erst im Tiefschlaf erholen und „repariert" werden können. Je kleiner das Tier und je aktiver der Stoffwechsel ist, desto größer sind die Beschädigungen und desto notwendiger sind die „Reparaturarbeiten".

Für den REM-Schlaf allerdings gilt das nicht, weil die meisten Hirnzellen während dieser Phase genauso aktiv sind wie im Wachzustand. Hier vermuten einige Schlafforscher einen anderen Zusammenhang: Danach hängt die REM-Schlafmenge davon ab, wie hoch der Entwicklungsgrad der Tiere zum Zeitpunkt der Geburt ist. So verbringen z.B. Schnabeltiere mehr als acht Stunden täglich in dieser Schlafphase. Wenn sie geboren werden, sind sie völlig hilflos und blind und bleiben noch wochenlang an das Muttertier geklammert; sie sind also ausgeprägte "Nesthocker". Dagegen sind Delphine, die schon von Geburt an schwimmen können, typische "Nestflüchter" und brauchen fast keinen REM-Schlaf. Eine mögliche Erklärung für diesen Unterschied besagt, dass der REM-Schlaf den Nervenzellen der „Nesthocker" die für ihre Entwicklung benötigten Reize gibt, die die "Nestflüchter" durch ihre frühen Erfahrungen mit der Umwelt bekommen.

Allerdings kann diese Theorie nicht erklären, warum die Tiere den REM-Schlaf auch nach Abschluss ihrer Reifung noch brauchen. Welchen Vorteil diese Schlafphase für erwachsene Tiere und Menschen hat, ist daher nach wie vor unklar.

Worterklärungen

das Opossum: eine Rattenart
das Schnabeltier: ein Tier, das in australischen Seen und Flüssen lebt

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Fragen und Aufgaben zum Text:

1. Geben Sie bitte eine kurze Definition für REM-Schlaf! 2 Punkte
     
2. Worauf bezieht sich das unterstrichene Wort "sie" in Absatz 2? 1 Punkt
     
3. Welche Behauptung ist laut Text falsch? 1 Punkt
  O   Im Nicht-REM-Schlaf ruhen die Nervenzellen.
O   Im Nicht-REM-Schlaf sind die Nervenzellen besonders aktiv.
O   Im Tiefschlaf ist die Aktivität der Nervenzellen gering.
O   Im REM-Schlaf ist die Aktivität der Nervenzellen hoch.
 
     
4. Erklären Sie bitte ausführlich (in drei bis vier Sätzen), warum ein Elefant wenig Schlaf braucht. 5 Punkte
     
5. Erklären Sie bitte die Bedeutung der Bezeichnung „Nestflüchter" ! (1-2 Sätze) 3 Punkte
     
6. Ergänzen Sie bitte die fehlenden Wörter in dem dargestellten Erklärungszusammenhang! 4 Punkte
  Der Entwicklungsgrad
zum Zeitpunkt der Geburt

ist _________________

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Die Nervenzellen bekommen
notwendige Reize

durch _________________

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wenig oder kein REM-Schlaf

Der Entwicklungsgrad
zum Zeitpunkt der Geburt

ist _________________

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Die Nervenzellen bekommen
notwendige Reize

durch _________________

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viel REM-Schlaf

 
     
7. Was ist der Nachteil dieses Erklärungszusammenhangs? (1 Satz) 2 Punkte

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Lösungen